31Jan

Mitgliederversammlung 2019 LAG ABT

Mitgliederversammlung 2019 LAG WfbM Niedersachsen

LAG:WfbM wählt neuen Vorstand und gibt sich einen neuen Namen

Ende letzten Jahres hat sich die LAG:WfbM auf ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im fachlichen Teil am Vormittag insbesondere mit der aktuellen BTHG-Umsetzung befasst und am Nachmittag auch einen neuen geschäftsführenden Vorstand gewählt und sich einen neuen Namen gegeben.

BTHG-Umsetzung in Niedersachsen aus Sicht der LAG Freie Wohlfahrtpflege

Der derzeitige Vorsitzende der LAG Freie Wohlfahrtpflege Niedersachsen Franz Loth zeigte in seinem Grußwort die wichtigsten Schritte und Themen zur BTHG-Umsetzung aus Sicht der LAG Freie Wohlfahrtpflege auf. Er betonte dabei den Personenkreis der Menschen mit hohem Assistenzbedarf und wies auf das LAG:WfbM-Modellprojekt Übergang Tagesförderstätte – Eingangsverfahren WfbM hin. Auch den jetzt schon spürbaren Fachkräftemangel im sozialen Bereich sprach er deutlich an.

BTHG-Umsetzung zur Teilhabe am Arbeitsleben in Niedersachsen aus Sicht des Landes

In Vertretung der kurzfristig erkrankten Sozialministerin ging Abteilungsleiter Dr. Hans-Joachim Heuer auf die aus Sicht des Landes Niedersachsen bisher erreichten Schritte bei der BTHG-Umsetzung ein. Beim Thema neues Teilhabeplanverfahren ab 01.12.2019 betonte er, dass auf die Kenntnisse und Einschätzungen der Leistungserbringer im Verfahren aber nicht verzichtet werden könne, denn diese Expertise ist für die Feststellung des bestehenden und sich möglicherweise ändernden oder entwickelnden Bedarfs im Teilhabeplanprozess im Einzelfall unerlässlich. Eine im Interesse der leistungsberechtigten Personen qualitativ hochwertige Leistungserbringung ist aus seiner Sicht bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und Kooperation der Reha-Träger mit den Leistungsanbietern möglich.

Nach Abschluss der bis zum 31.12.2021 befristeten Übergangsvereinbarung müssen nun in einem sehr ehrgeizigen Zeitplan gemeinsam neue Leistungsvereinbarungs-Muster, neue Leistungspauschalen und neue Gruppen von Leistungsberechtigten mit vergleichbaren Hilfebedarf entwickelt werden.

Im besonderen Maße ging Dr. Heuer auf das Budget für Arbeit in Niedersachsen ein. Die neuen Rahmenbedingungen nach dem BTHG für das Budget für Arbeit in Niedersachsen wurden zum 01.07.2018 eingeführt, davor gab es 117 Budgets für Arbeit in Niedersachen. Zwei Jahre nach Einführung der neuen Rahmenbedingungen gibt es in Niedersachsen jetzt 249 laufende Budgets. Um noch mehr Menschen mit Behinderung ein Budget für Arbeit zu ermöglichen, wurden in Niedersachsen fünf Modellregionen gebildet, in denen hauptamtliche Ansprechpersonen bei den Integrationsfachdiensten rund um das Budget für Arbeit ein Netzwerk mit allen Akteuren*innen aufbauen sollen.

Auch die Anzahl der Inklusionsbetriebe hat sich von 33 Betrieben im Jahr 2012 auf derzeit 66 Betriebe deutlich erhöht. Auch Träger von WfbM haben oft Inklusionsbetriebe gegründet.

Bericht der LAG:Werkstatträte

In ihrem Bericht betonte Nicole Kaiser als Vorsitzende der LAG:Werkstatträte, dass Werkstatträte beim Thema Mitbestimmung ernst genommen werden wollen und mit den Werkstatt-Verantwortlichen auf Augenhöhe zusammenarbeiten wollen. Sie wies dabei auf die geplante landesweite Einführung der Standards für die Zusammenarbeit mit Werkstatträten hin. Auch das LAG:WfbM-Projekt SCHICHTWECHSEL 2020 ist für die LAG:Werkstatträte ein wichtiges Thema, an dem sich die LAG:Werkstatträte aktiv beteiligt.

Bei einer Klausur-Tagung Ende 2019 wird der Vorstand der LAG:Werkstatträte die Themen für das kommende Jahr planen, unter anderem ist ein Flyer mit Informationen über die LAG:Werkstatträte Niedersachsen für die Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen.

Schwerpunktthema Qualitätsentwicklung/Perspektiven: Arbeit – Bildung – Teilhabe

Innerhalb des Schwerpunktthemas der Mitgliederversammlung wurden die Hauptbegriffe des neuen LAG-Namens exemplarisch mit Inhalten gefüllt. Zum Thema Arbeit hat die Lebenshilfe Braunschweig das von ihr mit wissenschaftlicher Begleitung in den letzten Jahren erarbeitete neue WfbM-Entgeltsystem vorgestellt, zum Thema Bildung beleuchtete Manfred Willems als LAG-Vorstandsmitglied mit dem LAG-Modellprojekt Tagesförderstätte – Eingangsverfahren WfbM den Aspekt Berufliche Bildung für Menschen mit hohem Assistenzbedarf und zum Thema Teilhabe stellte Nicole Kaiser als Vorsitzende der LAG:Werkstatträte zusammen mit Michael Korden die in der RAG Südwest erarbeiteten Standards zur Zusammenarbeit mit Werkstatträten vor. Die Powerpoint-Präsentationen zu den Beiträgen sind Teil der Tages-Powerpoint.

LAG:WfbM-Vorstandsbericht

Der LAG-interne Teil der Landeskonferenz (Mitgliederversammlung) am Nachmittag startet mit dem LAG-Vorstandsbericht, bei dem Michael Korden im Wechsel mit einigen Vorstandsmitgliedern auf die wichtigsten inhaltlichen Schwerpunkte der LAG-Arbeit im Berichtszeitraum einging. Als neue LAG-Mitglieder wurden das Leinerstift Bildung, Beruf, Leben gemeinnützige GmbH in Großefehn als anderer Leistungsanbieter mit 18 EV/BBB-Plätzen begrüßt sowie die terra est vita gemeinnützige GmbH in Bergen mit 30 Tagesförderstätten-Plätzen.

Neue Mitglieder im LAG-Vorstand sind Nahid Chirazi, Geschäftsführerin der DELME-Werkstätten in Bassum, Andrea Sewing als Geschäftsbereichsleitung Behindertenhilfe in der Pestalozzi-Stiftung in Burgwedel sowie Manfred Willems, Geschäftsführer der Hannoverschen Werkstätten.

Aus dem LAG-Vorstand verabschiedet wurde Bernd Hermeling, der ab Anfang 2009 Mitglied im LAG-Vorstand war, im wurde ganz herzlich für sein jahrelanges Engagement und seine aktive Mitarbeit gedankt.

Für die Übergangsvereinbarung zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes wurden von der LAG:WfbM insbesondere Übergangs-Leistungsbeschreibungen für WfbM und Tagesförderstätten erarbeitet. Das neue von den Reha-Trägern erarbeitete Teilhabeplanverfahren Eingangsverfahren/Berufsbildungsbereich tritt in Niedersachsen ab dem 01.12.2019 in Kraft, damit ist der WfbM-Fachausschuss nicht mehr für die Einzelfall-Arbeit zuständig, sondern nur noch für konzeptionelle und übergeordnete Themen der Weiterentwicklung der einzelnen Werkstatt. Die Arbeitsgruppe BENi und Gesamtplan der LAG Freie Wohlfahrtpflege begleitet diesen Prozess, die LAG:WfbM (Arbeit | Bildung | Teilhabe) Niedersachen ist in dieser Arbeitsgruppe durch den LAG-Geschäftsführer Bernhard Lengl vertreten. Zum WfbM-Mittagessen hat das Bundesarbeitsministeriums das schon länger angekündigte Rundschreiben mit Datum vom 28.10.2019 versandt, auf der Grundlage dieses Rundschreibens können die Einrichtungen konkrete Umsetzungsschritte zum Mittagessen angehen.

Aus der politischen Arbeit sind vor allem ein Gespräch mit dem Vorstand der LAG Freie Wohlfahrtpflege im Februar 2019 insbesondere zur Strategie zur BTHG-Umsetzung zu nennen sowie Gespräche mit dem Landtags-Sozialausschuss im Januar 2019, mit dem Landtags-Arbeitskreis Soziales von SPD/CDU im März 2019 sowie schließlich mit dem Staatsekretär Heiger Scholz im August 2019 zur Flächenproblematik bei arbeitsmarktnahen Beschäftigungsmöglichkeiten. Darüber hinaus hat die LAG insbesondere zum niedersächsischen Tariftreue-und Vergabegesetz, zum Berufsbildungs-Modernisierungssetz, zum BTHG-Ausführungsgesetz, zum Gesetz zur Berufsausbildungsbeihilfe und des Ausbildungsgeldes sowie zum niedersächsischen Behinderten-Gleichstellungsgesetzes schriftliche Stellungnahmen verfasst.

Das Vergütungsangebot der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zum WfbM-Eingangsverfahren/Berufsbildungsbereich 2020 mit einer Steigerung von durchschnittlich 1,5 % ist in keinster Weise kostendeckend und von daher auch nicht akzeptabel. Der LAG-Vorstand ist auf verschiedenen Ebenen aktiv und bemüht, ein deutlich besseres Vergütungsangebot für 2020 zu erhalten.

Die LAG-Fahrtkosten-Abfrage Eingangsverfahren/Berufsbildungsbereich hat gezeigt, dass die Spanne der Fahrtkosten recht groß ist und dadurch die Zuordnung in das Korridormodell ziemlich durcheinandergewirbelt wird. Im nächsten Schritt wird versucht, mit Hilfe von gewichteten Mittelwerten ein aussagefähigeres Bild zu bekommen.

Im Rahmen der LAG-Qualitätsinitiative WfbM-Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben wurden bei einem gemeinsamen Workshop von WfbM aus Niedersachen und aus dem Bundesgebiet im August 2019 die Benchmarking-Kennzahlen intensiv diskutiert und überarbeitet. In einem nächsten Schritt sollen aus dem WfbM-Benchmarking heraus in Niedersachsen Standards zu den Themen Zusammenarbeit mit Werkstatträten, Arbeitsbegleitende Angebote, Berufliche Bildung, Übergang allgemeiner Arbeitsmarkt, Menschen mit hohem Assistenzbedarf sowie überhaupt zum Thema „Gute WfbM-Arbeit“ erarbeitet werden. Nach drei Messjahren liegen inzwischen soweit konsolidierte Weiterentwicklungs-Werte vor, sodass landesweite Ergebnisse und Auswirkungen der Qualitätsinitiative in einer Benchmarking-Broschüre zur Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt werden können. Die Broschüre wird derzeit fertiggestellt und kann voraussichtlich Anfang 2020 verteilt werden.

Das landesweite LAG-Projekt SCHICHTWECHSEL 2020 wird derzeit intensiv vorbereitet. Ein Aufruf zur Teilnahme mit der Möglichkeit der Anmeldung wird voraussichtlich ebenfalls Anfang 2020 erfolgen. Wichtige Elemente des Projektes SCHICHTWECHSEL sind neben dem Arbeitsplatzwechsel die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Medientrainings für Menschen mit Behinderung und die Suche nach Schirmherren und Botschaftern für das Projekt zum Bespiel bei Landräten, Oberbürgermeistern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der bundesweite Aktionstag zum SCHICHTWECHSEL 2020 findet am 17. September 2020 statt.

Die vom LAG-Landesausschuss Berufliche Bildung WfbM inhaltlich vorbereitete Fachtagung Berufliche Bildung WfbM am 05. September 2019 mit ca. 150 Teilnehmern hat sich insbesondere mit den Themen Qualifizierungsgänge, Qualifizierungsbausteine, harmonisierte Bildungsrahmenpläne, Berufsschul-Unterricht sowie Digitalisierung in der Beruflichen Bildung beschäftigt. Besonders interessant und hinzuweisen ist auf die von einer Kommission des Kultusministeriums, an der die LAG:WfbM auch beteiligt war, erarbeiteten neuen Handlungsoptionen für den Berufsschul-Unterricht für WfbM-Beschäftigte. Die Handlungsoptionen beinhalten einen deutlich neuen konzeptionellen Ansatz des Berufsschul-Unterrichts für WfbM-Beschäftigte, weg von einer Fächer-Orientierung hin zu einer Kompetenzorientierung. Daneben beinhalten die Handlungsoptionen auch eine ganze Reihe von hilfreichen Materialien für Berufsschullehrer. Auf der Grundlage dieser Handlungsoptionen können und sollen alle WfbM in Niedersachsen die Neuausrichtung des Berufsschul-Unterrichts für WfbM-Beschäftigte einfordern.

Der LAG-Vorstandsbericht endete mit einem kurzen Ausblick auf die weitere BTHG-Umsetzung (Regelleistungsbeschreibung WfbM und Tagesförderstätte, WfbM-Mittagessen, WfbM-Fachausschuss, …), Umsetzung des Projektes SCHICHTWECHSEL 2020, Weiter– und Fortführung des Modellprojektes Übergang Tagesförderstätte – Eingangsverfahren WfbM, Erarbeitung von Qualitätsstandards zu WfbM-Themen sowie ein neues WfbM-Entgeltsystem.

Beschluss-Vorschlag zur Erarbeitung eines Entgelt-Systems für WfbM-Beschäftigte in Niedersachsen

Der LAG-Vorstand hat einen Beschluss-Vorschlag zur Erarbeitung eines Entgeltsystems für WfbM-Beschäftigte in Niedersachsen vorgelegt:

Die LAG:WfbM-Landeskonferenz beschließt und beauftragt den Vorstand, ein Entgeltsystem auf der Basis des von der Lebenshilfe Braunschweigs entwickelten Entgeltsystems zur Anforderungs- und Qualifikationsgerechtigkeit zu entwickeln.

Das zu erarbeitende Entgeltsystem soll den LAG-Mitgliedern als Orientierungshilfe und Empfehlung für die Über-/Erarbeitung und Aktualisierung ihres eigenen WfbM-Entgeltsystems dienen. Der Beschlussvorschlag wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Wahlen geschäftsführender LAG:WfbM-Vorstand

Zum neuen geschäftsführenden LAG:WfbM-Vorstand wurden Michael Korden (Geschäftsführer St.-Vitus-Werk GmbH in Meppen) als Vorsitzender und als stellvertretende Vorsitzende Werner Ludwigs-Dalkner (Geschäftsführer Werkhof & Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven gemeinnützige GmbH) sowie Holger Knoop (Vorstand CVJM-Sozialwerk Wesermarsch e. V. in Nordenham) für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt.

Neuer Name der LAG:WfbM Niedersachsen

Der bisherige Name der „LAG Werkstätten für behinderte Menschen“ ist mit dem Verständnis und Engagement der LAG:WfbM von und für Inklusion und Teilhabeleistung sowie mit der sich noch weiter verändernden Mitgliederstruktur nicht mehr vereinbar. Es geht für die LAG:WfbM schon seit langem nicht mehr nur um „Werkstätten“, sondern um Inklusion, Arbeit und Beschäftigung, berufliche Bildung und Qualifizierung, Teilhabe am Arbeitsleben, gesellschaftliche und soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung bis zu Menschen mit hohem Assistenzbedarf. Eine Änderung des LAG-Namens stand von daher schon seit längerem an und wurde in diesem Jahr mit den Mitgliedern intensiv diskutiert.

Der vorgeschlagene neue Name LAG Arbeit | Bildung | Teilhabe Niedersachen wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Gleichzeitig wurde eine Ergänzung in der LAG-Geschäftsordnung für „andere Leistungsanbieter nach § 60 SGB IX“ beschlossen.

Die nächste Landeskonferenz der LAG Arbeit | Bildung | Teilhabe Niedersachen ist für Mittwoch, 28. Oktober 2020, in Burgwedel geplant.

 

Den Beitrag von Franz Loth (Vorsitzender LAG Freie Wohlfahrtspflege Niederdachsen) finden Sie hier.

Die Rede von Dr. Hans-Joachim Heuer (Abteilungsleiter Sozialministerium Niedersachsen) lesen Sie hier.

Den Bericht von Nicole Kaiser (Vorsitzende LAG:Werkstatträte Niedersachsen) lesen Sie hier.

Die Tages-Powerpoint-Präsentation der Landeskonferenz (Mitgliederversammlung) 2019 finden Sie hier.

31. Januar 2020 // News